Tafsir
Es handelt sich hier um Jugendliche in der frühchristlichen Zeit, die in einer Höhle mehr als dreihundert Jahre lang schliefen und so den grausamen römischen Herrscher Decius überdauerten, der die Lehre vom einen, Allmächtigen Schöpfer ablehnte und dieses Dogma "mundtot" zu machen versuchte. "Die Siebenschläfer" predigten ihre monotheistische Religion, aber ihr Volk ignorierte sie. Zudem übte Decius Druck auf die frühchristlichen Gläubigen aus und drohte ihnen mit dem Tod. Die Jugendlichen beschlossen, ihre Heimat zu verlassen. Die Geschichte der tapferen Jugendlichen fällt unter die Rubrik der Christenverfolgungen. Der römische Kaiser Nero war derjenige, der die systematische Verfolgung der Gläubigen begann (64 n.Chr.). Die Frühchristen wurden bei Schaukämpfen in den Arenen - als Belustigung - Tieren vorgeworfen oder als "lebende Fackel" mit Pech bestrichen und angezündet. Der römische Geschichtsschreiber P. Cornelius Tacitus schreibt: "Und den Todgeweihten wurde Verhöhnung zuteil, dass sie bedeckt mit Fellen von wilden Tieren durch Zerfleischung von Hunden zugrunde gingen oder an Kreuze genagelt wurden und sobald der Tag zu Ende ging wurden sie zum Gebrauch als nächtliches Licht niedergebrannt. Nero hatte seine Gärten für dieses Schauspiel geöffnet und ein Zirkusspiel veranstaltet; er mischte sich in der Tracht eines Wagenlenkers unter das Volk oder stellte sich auf einen Streitwagen." Dann folgten die Verfolgungen unter den römischen Kaisern Domitian (96 n.Chr.), Decius (249), Valerian (257) und Diokletian (303 ff). Der Qur’ān sagt, dass nur Allāh (t) die genaue Zeit kennt: Die Gelehrten haben dafür eine plausible Erklärung gefunden. 300 Jahre nach der julianischen Zeitrechnung betragen 309 Jahre nach dem Mondkalender, den die Araber benutzten, der heute noch in der islamischen Welt Anwendung findet. Anhand der Qur’ān-Verse wird klar, dass der Eingang der Höhle nach Norden zeigen muss, da beschrieben wird, dass die Sonne sich von rechts nach links bewegt. Die vorherrschende Meinung ist, dass sich die "Siebenschläferhöhle" in Ephesos befindet. Es gibt auch Meinungen, wonach sie in Tarsus sein soll. Auch im Osmanischen Reich hat man sich gefragt, wo die Siebenschläfer gelebt haben. Die Lokalverwaltung von Tarsus beantragte von der Zentralregierung finanzielle Unterstützung für die Pflege der "Siebenschläferhöhle". Die "Hohe Pforte" schickte eine Forschergruppe zur Untersuchung, ob die besagte Höhle den Beschreibungen im Qur’ān entspricht. Im Endbericht wird lediglich bescheinigt, dass der Eingang der Hohle nach Norden zeigt. In der Tat existiert in Ephesos eine Höhle, auf die diese Beschreibungen passen: Der Eingang der Höhle muss nach Norden zeigen und vor der Höhle muss eine Kirche existieren; denn im Qur’ān steht: "errichtet über ihnen einen Bau" und christliche Quellen sprechen ebenfalls von einem Bau. Wie der Qur’ān berichtet gibt es verschiedene Meinungen, aus wie vielen Personen die "Siebenschläfer" bestehen. Die Antwort steckt eigentlich in dem Namen: "Siebenschläfer". Die verbreitete Meinung ist, dass es sieben junge Männer waren und ein Hund. Aber wie der Qur’ān sagt: "Mein Herr kennt ihre Zahl am besten." Sowohl in der christlichen als auch in der muslimischen Welt ehrt man "die Siebenschläfer" wegen ihrer Courage und ihres Mutes. Die Geschichte lehrt uns, uneingeschränkt Allāh zu vertrauen; denn das Schicksal jedes Menschen liegt nur in Seiner Hand. (Kaaba 2/98). Dies wird aus mehreren Überlieferungen deutlich, die bei allen klassischen Kommentatoren erwähnt werden, und nach denen die jüdischen Rabbiner von Al-Madīna die makkanischen Opponenten des Propheten (a.s.s.) veranlassten, durch die Frage nach dieser Geschichte "seine Glaubwürdigkeit zu überprüfen".