Den Männern gehört ein Teil dessen, was die Eltern und Verwandten hinterlassen. Und den Frauen gehört ein Teil dessen, was die Eltern und Verwandten hinterlassen haben - ob wenig oder viel - ein Pflichtanteil. An-Nisāʾ 4:7 ⧉
Tafsir:
Dies ist der Grundsatz, mit dem der Islam vor mehr als vierzehn Jahrhunderten der Frau grundsätzlich ein Recht auf Erbschaft gegeben und auch die Rechte der Minderjährigen beachtet hat, die in vorislamischer Zeit untergraben worden waren. Damals sah man den Menschen je nach seinem Wert im Krieg und seinem Nutzen für die Produktivität. Der Islam aber sieht in ihm zuallererst den "Menschen" schlechthin und dies ist in jedem Fall die Basis seines Wertes. Von diesem Vers werden fünf Erbschaftsregel abgeleitet: 1. dass sowohl Männer als auch Frauen Anteil haben; 2. dass die Erbschaft unter allen Erben verteilt werden muss, wie geringfügig sie auch sein mag; jedoch kann ein Erbe nach gegenseitiger Absprache die Anteile anderer Erben erwerben; 3. das Gesetz bezieht sich auf Eigentum aller Art; 4. wird das Recht auf Erbschaft erst wirksam, wenn der Verstorbene Eigentum hinterlässt; 5. wird deutlich, dass sich das Erbrecht in erster Linie auf die nächsten Verwandten bezieht. Das islamische Erbrecht ist ein Meilenstein in der Geschichte legaler und gesellschaftlicher Reformen. Im vorislamischen Arabien haben Frauen aller Altersgruppen sowie minderjährige Jungen überhaupt keinen Anteil am Erbe ihres Ehemannes oder Vaters, nach dem Prinzip, dass nur waffenfähige Männer auch erbfähig seien. Ehefrauen, Töchter und Schwestern waren somit grundsätzlich ausgeschlossen, auch minderjahrige Söhne und Brüder. (ÜB)